Das Telefon klingelt, und Sie hören die Stimme Ihres Enkels, Ihrer Tochter oder Ihres Chefs. Die Person ist in Not und braucht sofort Geld. Doch die Stimme ist von einer künstlichen Intelligenz (KI) nachgemacht. Laut dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) nehmen solche Fälle zu. Wenige Sekunden Tonaufnahme – zum Beispiel aus einem Video im Internet – genügen, um eine Stimme zu kopieren. Mit künstlicher Intelligenz lassen sich nicht nur Stimmen, sondern auch Gesichter in Videoanrufen nachmachen (sogenannte Deepfakes). Ein Video ist deshalb kein Beweis mehr, dass die Person echt ist.
So läuft es ab
- Stimme oder Gesicht kopieren: Die Täter suchen Ton- oder Videoaufnahmen einer Person, etwa auf Social Media oder einer Firmenwebsite.
- Anruf oder Videoanruf: Mit der kopierten Stimme oder dem kopierten Gesicht rufen sie an, z.B. per WhatsApp – als Enkel nach einem Unfall, als Polizist, als Bankmitarbeiter oder als Vorgesetzter.
- Druck: Es ist dringend, geheim, und es geht um Geld: eine Kaution, eine Arztrechnung, eine wichtige Überweisung.
- Geld weg: Wer zahlt oder Codes nennt, verliert das Geld meistens endgültig.
Daran erkennen Sie es
- Die Person drängt, Sie sollen sofort handeln und niemandem davon erzählen.
- Es geht um Geld, Codes oder Zugriff auf Ihren Computer.
- Die Stimme klingt etwas steif, reagiert seltsam auf spontane Zwischenfragen oder wechselt plötzlich ins Hochdeutsche.
Bei Videoanrufen
Mögliche Hinweise auf ein gefälschtes Video:
- Die Lippen passen nicht ganz zur Stimme.
- Das Gesicht wirkt verschwommen oder flackert an den Rändern.
- Das Bild stockt bei Kopfbewegungen.
- Die Verbindung ist «zufällig» schlecht.
- Die Person beendet den Anruf schnell.
So schützen Sie sich
- Familien-Codewort: Vereinbaren Sie mit Ihren Angehörigen ein Codewort. Bei einem seltsamen Anruf fragen Sie danach.
- Auflegen und zurückrufen – auch bei Videoanrufen: Legen Sie auf und rufen Sie die Person unter der Nummer an, die Sie selbst gespeichert haben.
- Eine persönliche Frage stellen, die nur die echte Person beantworten kann.
- Nie unter Druck zahlen. Besprechen Sie jede Geldforderung zuerst mit einer Vertrauensperson.
- Keine Codes oder Passwörter am Telefon nennen – niemandem.
- Weniger Stimme und Video öffentlich teilen, besonders auf Social Media.
- Sprechen Sie mit älteren Angehörigen über diese Masche.
Wenn es passiert ist
- Haben Sie Geld überwiesen? Rufen Sie sofort Ihre Bank an.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Kantonspolizei. Im Notfall: 117.
- Melden Sie den Vorfall dem BACS: report.ncsc.admin.ch
Schritt für Schritt: Sofort-Hilfe
Auch Firmen sind betroffen
Im Kanton Schwyz verlor ein Unternehmen mehrere Millionen Franken, nachdem Betrüger mit einer KI-Stimme einen Geschäftspartner nachgeahmt hatten. Mehr dazu: Falscher Chef.
Quellen
- blue News: «Audio-Deepfakes nehmen zu» (mit Angaben des BACS und der Kantonspolizei Schwyz), 22.6.2026
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS
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